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Die U-Untersuchungen im ersten Lebensjahr

28 Sep


Welche gesundheitlichen Probleme oder Behinderungen bei Ihrem Baby können Sie als Eltern nicht oder erst zu spät selbst entdecken? Diese Frage stand im Vordergrund, als 1991 ein einheitliches Untersuchungsschema für Babys und Kinder bis zur Einschulung entwickelt wurde, die U-Untersuchungen.
Als in den letzten Jahren einige erschreckende Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern bekannt wurden, entdeckte die Politik die bis dahin freiwilligen U-Untersuchungen als ein Mittel der Kontrolle und Früherkennung. Die Forderung nach einer Untersuchungspflicht wurde laut. Noch handhaben die Bundesländer diese Kontrolle sehr unterschiedlich. Während Sie in einigen Ländern nur mit einer Erinnerung an verpasste U-Untersuchungen Ihres Babys rechnen müssen, droht Ihnen in anderen schlimmstenfalls ein Besuch durch das Jugendamt und die zwangsweise Vorführung Ihres Kindes bei einem Kinderarzt.
Eine solche Bevormundung mag für Sie als verantwortungsbewusste Eltern ärgerlich sein. Denken Sie aber daran, dass die U-Untersuchungen in erster Linie Ihrem Kind dienen. Wenn dabei Behinderungen oder Erkrankungen entdeckt werden, dann kann der Kinderarzt so rechtzeitig mit der Behandlung beginnen, dass Folgeschäden oder Entwicklungsstörungen weitgehend vermieden werden.

U1: Sofort nach der Geburt
Ist unser Baby gesund? Selbst nach einer problemlosen Schwangerschaft und einer leichten Geburt stellen sich Eltern diese bange Frage.
Genau darauf zielt auch die U1 ab: Atmet Ihr Neugeborenes selbstständig? Ist sein Kreislauf intakt? Sind Fehlbildungen oder Krankheitsanzeichen äußerlich erkennbar? Auch Größe und Gewicht werden vermerkt.
Im APGAR-Wert – (A)tmung, (P)uls, (G)rundtonus, (A)ussehen, (R)eflexe – werden die wichtigsten Messungen und Beobachtungen zusammengefasst. Noch werden nicht alle Werte im optimalen Bereich liegen, denn Ihr Neugeborenes muss den Stress der Geburt erst einmal verkraften.
Zum Abschluss der Untersuchung erhält Ihr Baby Vitamin K zur Vorbeugung gegen Blutungen, eine Behandlung, die bei der U2 und der U3 wiederholt wird.

Bluttest und Hörscreening für Neugeborene: 1. bis 3. Tag

Bei der U1 werden Sie auch über den Bluttest zur Früherkennung von Stoffwechselkrankheiten und über das Neugeborenen-Hörscreening informiert. Beide Untersuchungen zählen nicht zum Umfang der U-Untersuchungen, sollten aber in den ersten drei Lebenstagen Ihres Babys durchgeführt werden, allerspätestens bei der U2.
Für den Bluttest wird nur ein Blutstropfen benötigt, der meist am Fuß Ihres Babys entnommen wird. Werden dabei Stoffwechselkrankheiten erkannt, so können diese kurz nach der Geburt noch problemlos behandelt werden, während sie unerkannt zu bleibenden Schäden führen könnten.
Das Hörscreening wird völlig schmerzfrei durchgeführt, während Ihr Baby schläft. Wenn Schwerhörigkeit oder Taubheit jetzt schon festgestellt werden, können Sie frühzeitig mit einer Behandlung und Förderung beginnen, so dass Sie keine Verzögerung des Sprechenlernens befürchten müssen.

U2: 3. bis 10. Tag
Ihr Baby kann noch nicht sagen, ob ihm etwas wehtut, und Sie als Eltern können nicht jedes Problem erkennen. Deshalb ist jetzt die Zeit für eine gründliche Untersuchung gekommen. Schwerpunkte liegen auf den Organen und dem Skelett Ihres Babys. Auch Mund, Augen und Ohren werden genauer untersucht.
Stellt Ihr Kinderarzt nichts Auffälliges fest, wird er sich trotzdem eingehend mit Ihnen unterhalten. Er wird Ihnen ein Vitamin D-Präparat verschreiben, das Ihr Baby im ersten Lebensjahr braucht, und Ihnen Fluorid für die Entwicklung starker Zähne empfehlen. Außerdem informiert er Sie über die Gefahren des Passivrauchens für Ihr Baby, mögliche Stuhlgangprobleme oder eine Gelbfärbung der Haut, mit der Ihr Baby möglicherweise in der Zeit bis zur nächsten Untersuchung zu kämpfen hat.

U3: 4. bis 5. Woche
Eine weitere gründliche Untersuchung aller Organe steht jetzt an. Der Kinderarzt stellt fest, ob Ihr Baby gut wächst und zunimmt. Außerdem achtet er besonders auf die Augenreflexe Ihres Kindes und kontrolliert noch einmal sein Gehör. Spätestens jetzt überprüft er mit Ultraschall die Hüftgelenke, denn nur wenn die richtig stehen, kann Ihr kleiner Liebling später problemlos krabbeln und laufen lernen.
Auch um Sie als Eltern geht es in dieser Untersuchung. Kommen Sie mit dem Schlafmangel zurecht? Machen Sie sich Sorgen, ob Sie Ihrem Baby gerecht werden können? Scheuen Sie sich nicht, Probleme anzusprechen. Ihr Kinderarzt weiß, wo Sie, wenn nötig, Hilfe finden.

U4: 3. bis 4. Monat
Ab dem 3. Lebensmonat können Sie Ihr Baby mit einer Schutzimpfung vor gefährlichen Krankheiten bewahren. Wenn Ihr Kinderarzt mit Ihnen darüber noch nicht bei der U3 gesprochen hat, wird er das jetzt nachholen und mit Ihnen Termine für die Folgeimpfungen vereinbaren.
Neben Augen und Ohren konzentriert sich Ihr Kinderarzt jetzt auf die Bewegungen Ihres Babys. Kann es seinen Kopf gut halten? Stützt es sich selbst aus dem Liegen hoch? Mit dieser Untersuchung gibt der Kinderarzt Ihnen die Gewissheit, dass Ihr Baby für den gewaltigen Entwicklungsschub der nächsten Wochen bestmöglich gerüstet ist.

U5: 6. bis 7. Monat
Körperbeherrschung und Beweglichkeit Ihres Babys spielen auch bei der U5 eine wichtige Rolle. Gezieltes Greifen ist jetzt wichtig, da Ihr Baby so die Welt um sich herum “begreift”. Außerdem wird es mobiler und dehnt in den nächsten Wochen seinen Aktionsradius immer weiter aus. Ihr Kinderarzt gibt Ihnen dazu Tipps und warnt Sie vor Unfallgefahren.
Auch die ersten Zähne Ihres Babys sind jetzt ein Thema. Zahnpflege und Ernährung werden deshalb bei dieser Untersuchung zur Sprache kommen. Außerdem werden Augen und Gehör erneut kontrolliert.

U6: 10. bis 12. Monat
Mit beinahe einem Jahr kann Ihr Baby wahrscheinlich krabbeln, vielleicht schon stehen oder sogar laufen. Haben Sie Sorgen, dass es beim Laufenlernen anderen Babys hinterher hinkt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit Ihrem Kinderarzt darüber zu sprechen. Meistens wird er Sie jedoch beruhigen: Auch völlig altersgemäß entwickelte Babys fangen teils früher, teils später mit dem Laufen an.
Auch das Sprechenlernen kommt jetzt zur Sprache. Vielleicht können Sie dem Kinderarzt schon stolz vom ersten “Mama” oder “Papa” berichten, doch wenn nicht, ist das kein Grund zur Sorge. Vielleicht empfiehlt der Kinderarzt Ihnen gezielte Fördermaßnahmen, um Ihr Baby bei der Sprachentwicklung zu unterstützen.

Mit der U6 ist die Untersuchungsreihe noch nicht abgeschlossen. Die U7, U7a, U8 und U9 finden ab jetzt in ungefähr jährlichen Abständen bis zur Einschulung statt. Inzwischen wurde die Untersuchungsreihe noch um Untersuchungen im Grundschul- und Jugendalter ergänzt.

Übrigens: Wenn Ihr Baby als Frühchen geboren wurden, dann verschieben sich die Termine für manche U-Untersuchungen. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt darüber, um den bestmöglichen Zeitpunkt für jede Untersuchung zu bestimmen!

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